![]() |
|
|
Der Google Jahresrückblick 2008 „Google – der allwissende Gigant“ titelte einmal die Tagesschau und in der Tat, hat das Unternehmen schon seit Jahren weit mehr zu bieten, als simple Ergebnisse aus Suchmaschinenanfragen. Google Mail, Google Maps, Google-Fans, Googlemania. Was hat der Internetgigant eigentlich 2008 alles geleistet? Wie reagiert der Konzern auf die Finanzkrise und was kostet es eigentlich Google zu unterhalten? Laut einer im Dezember 2008 veröffentlichten Studie des amerikanischen Unternehmens „Precursur LLC“, muss Google jährlich beträchtliche Summen für die Übertragungskosten ihrer Dienste aufbringen. Alleine in den USA, so das Unternehmen aus Virginia, wären jährlich sieben Milliarden Euro an Transferkosten aufzubringen. Dass dies angesichts der Finanzkrise enorme Summen sind, macht sich selbst bei einem so erfolgreichen Unternehmen wie Google bemerkbar. In Zahlen beschäftigte das Unternehmen im Jahr 2008 20.123 Mitarbeiter und zusätzlich 10.000 Leiharbeiter. Daher heißt es auch für Google: Sparen, sparen, sparen. Das Unternehmen kündigte demnach an, für das Jahr 2009 die Verträge der 10.000 Leiharbeiter nicht zu verlängern. Neben dieser ernüchternden Nachricht, ist der Rückblick auf das vergangene Google-Jahr 2008 allerdings weitaus spannender: Eine der bekanntesten Entwicklungen aus dem Hause Google in diesem Jahr trägt den Namen „Chrome“ und ist der erste Webbrowser aus der eigenen Entwicklung. Doch was ist eigentlich so besonders daran? Auf den ersten Blick, scheint Google Chrome sich nicht besonders von alten Bekannten, wie Firefox oder Opera zu unterscheiden, aber unter der Haube, hat das neue Produkt einiges zu bieten, auch eine ganz neue Erfindung: Das private surfen. Diese Funktion ermöglicht es, Webseiten zu besuchen, ohne auf dem Computer Spuren zu hinterlassen. Die Webcommunity hat dank dieser Neuerung schnell einen schlüpfrigen Spitznamen für den Browser gefunden: Der „Porno-Browser“. Die Erfindung kommt allerdings an, denn künftige Firefox Versionen werden mit einem ähnlichen Modus ausgestattet. Viel wichtiger jedoch ist die attestierte Geschwindigkeit. Google Chrome ist in der Tat schneller als vergleichbare Software und verwaltet auch den Computerspeicher intelligenter. Das macht insgesamt bis zu 50% mehr Leistungsfähigkeit aus. Grund genug, nach einigen Monaten Betastatus, Google Chrome bereits im Dezember 2008 aus dem Beta-Status zu entlassen und den Browser als vollwertigen, kostenlosen Browser anzubieten. Über ein Jahr bevor man etwas von Chrome wusste, kursierten bereits Gerüchte, dass Google eine Konkurrenz zum freien Wissensportal „Wikipedia“ plane. Am 13. November 2007 wurde dann „Knol“ (Knol abgeleitet aus „knowledge“; deutsch: Wissen) angekündigt, ein ebenfalls frei zugängliches Wissensportal. Am 23. Juli 2008 erschien die erwartete Beta-Version von Knol in englischer Sprache. Wikipedia wird damit allerdings keine direkte Konkurrenz gemacht, viel mehr handelt es sich bei Knol um ein Web 2.0 Projekt, in dem Autoren Artikel verfassen und publizieren können, was nicht einem offen Lexikon wie Wikipedia entspricht, sondern eher einem Wissensblog mit sehr vielen Teilnehmern und entsprechender Ausrichtung. Google selbst nennt Knol eine Wissensbörse. Am 30. Oktober 2008 wurde Knol auch für den deutschsprachigen Raum online gestellt. Große Erwartungen hatten Nutzer auch an das neue Handybetriebsystem „Android“. Entwickelt wurde Android in Zusammenarbeit mit der „Open Handset Alliance“, daher sind einige Bestandteile der Plattform freie Software. In den USA wurde am 22. Oktober das erste Mobiltelefon mit der Android-Plattform verkauft. Das passende Telefon „G1“ wird in Deutschland vermutlich ab dem 1. Quartal 2009 von T-Mobile unter das Volk gebracht. Das Gerät in Verbindung mit Android steht in direkter Konkurrenz mit dem Apple iPhone und muss nach Expertenmeinungen Apple weiterhin den Vortritt lassen, jedoch wird das mobile Surfen erneut um einen Schritt weiter etabliert. Etwas aus der Kuriositäten-Kiste, hat 2008 auch Google zu bieten. Einen neuen Service namens „Google Flu Trends“ verfolgt Grippetrends, wodurch Aussagen die Gefahr selbst zu erkranken gemacht werden können. Wen das beunruhigt, dem sei gesagt: Dieser Analyseservice steht nur für die USA zur Verfügung, in Europa hingegen muss man sich von Erkrankungen weiterhin überraschen lassen. Wem das hingegen noch nicht reicht, der sollte sich im Google Health Center umsehen. Seit zwei Jahren in der Planung ist das Gesundheitsportal im Mai 2008 endlich der Öffentlichkeit vorgestellt worden, bis jetzt allerdings nur in Englisch. Trägt man seine kompletten Daten ein, vor allem den Krankheitsverlauf, wenn man denn einen hat, kann einem das Health Center sinnvolle medizinische Vorschläge machen. Für spezielle Fragen stehen darüber hinaus Ärzte zu Verfügung. Aber was ist eigentlich aus bereits bestehenden Angeboten geworden? Betrachtet man „Gmail“ fällt auf: Der E-Mail Service findet sich nach wie vor in der öffentlichen Beta-Phase, präsentiert sich allerdings seit November 2008 im neuen Outfit. Google hat hierfür 30 verschiedene „Themes“ angefertigt, die es dem Nutzer ermöglichen, die Oberfläche optisch nach belieben zu verändern. Darüber hinaus wurde Gmail von Google mit „Google Docs“ (im Deutschen „Google Text & Tabellen“) verknüpft. Mit Google Docs ist es möglich, Dateien in verschiedenen Officeformaten online einzusehen, ohne ein Programm auf dem eigenen Computer installieren zu müssen. In den Gmail Labs werden weitere Neuerungen der Zukunft öffentlich getestet, dazu gehört ein Gmail SMS-Service, der das Versenden von Kurznachrichten auf Mobiltelefone ermöglicht, dabei wird jedem Nutzer eine Rufnummer zugewiesen, so das es auch möglich ist, an Gmail zu antworten. Empfangenen Nachrichten werden dann im Posteingang angezeigt. Außerdem ist in den Gmail Labs die sehnsüchtig von vielen Nutzern erwartete „ToDo-Liste“ zum Abarbeiten der eigenen Aufgaben hinzugefügt worden. Trotz großer Fokussierung auf Gmail, wird auch die Organisation der Urlaubsbilder nicht vernachlässigt. Das Online-Fotoalbum Picasa präsentiert sich seit 2008 in der Version 3, aber was hat sich wesentlich geändert? Die Fotoalben können nun durch Passwörter geschützt werden und als besonders hilfreiche Neuerung, gibt es eine automatischen Übersetzungsservice für die Kommentarfunktion, damit man auch wirklich alles versteht. Eine weitere Neuerung ist, dass Picasa nun Screenshots speichert, natürlich nur, wenn man das auch möchte. Apropos Übersetzung, Google Translate zeigt sich im Jahr 2008 mit Übersetzungen in bis zu 35 Sprachen, außerdem wurde bekannt gegeben, dass ein Google Translation Center aufgebaut wird. Was man genau darunter zu erwarten hat, hat Google noch nicht explizit formuliert. Es handelt sich aber wohl um einen Übersetzungsservice, der freiwillige und professionelle Übersetzer einsetzt. Freilich wird dieser Service nicht kostenfrei sein, aber für die Einnahmen bietet Google nach wie vor den Ad-Sense Service. Google Ad-Sense, eine Möglichkeit um auf eigenen Webseiten Werbung zu schalten, gibt es nun auch für Videos. Die Werbung kann dabei nicht nur in den videofreien Bereich platziert werden, sondern auch in den Film selbst integriert werden. 2008 ebenfalls gestartet ist „Google Friend Connect“, ein Netzwerk im Stile von Facebook, allerdings offen zugänglich und für jeden nutzbar. Das besondere daran? Man kann sich mit Friend Connect nun ein eigenes Soziales Netzwerk erstellen. Sie haben also noch kein eigenes Freundenetzwerk auf Ihrer Webseite oder scheuen die Mühen? Google verspricht, dass es kinderleicht und ohne Programmierkenntnisse möglich ist und ihnen auch noch mehr Besucher auf die Webseite bringt. Da dieser Service mit einem Baukastenprinzip funktioniert, wurde 2008 ein Gadget-Center online gestellt, um eine möglichst gute Übersicht über die einzelnen Funktionen zu erhalten und um Unterstützung für Privattüftler zu leisten. Was ist eigentlich los mit… Google Street View? Es ist einige Zeit her, da startete Google „Google Maps“, genauer gesagt, 2005. Man kann sich mit diesem Angebot prinzipiell die ganze Welt auf unzähligen, zusammen gesetzten Satellitenbildern ansehen. Maps reichte Google nicht, also begann man mit der Entwicklung von Street View. Pkws wurden mit Kameras ausgestattet und diese machten sich auf, um die Straßen nicht mehr aus der Vogelperspektive zu fotografieren, sondern aus den Gassen der Metropolen der Welt, quasi auf Augenhöhe. Derzeit kann man außer vielen Städten in den USA, auch schon einige Städte und Länder in Europa bewundern, dazu zählen seit spätestens Sommer 2008 teile Frankreichs, Japans, Italiens, Spaniens, Neuseelands und Australiens. Komplette Bildarchive gibt es von Rom, Mailand und Florenz. Rom im Übrigen auch in 3D, so wie es im antiken Zeitalter aussah, was nicht nur für Historiker faszinierend ist. In Europa wurden im Jahr 2008 viele Google-Fahrzeuge gesichtet, die mit ihren Kameras die Umgebung fotografierten. In Deutschland soll Street View, trotz heftiger Kritik aus der Politik, Anfang 2009 starten. Und in Zukunft? Es wurden Verhandlungen um eine Partnerschaft zwischen Google und Yahoo bestätigt, die allerdings nach einigen Monaten als gescheitert erklärt wurden. Als nicht gescheitert aber auch nicht bestätigt gelten Verhandlungen mit einem Hollywoodstudio, Spielfilme in voller Länge auf YouTube kostenfrei bereitzustellen. Auch wollen Gerüchte um ein Google Betriebsystem nicht abreißen. Es gilt zwar als bekannt, dass Google intern eine eigene Version von Linux nutzt, aber was eine Entwicklung eines kommerziellen Betriebssystem angeht, hört man von Google nichts, zutrauen würde man es ihnen jedoch ohne Zweifel. Vergessen darf man nach dieser Vielzahl von Neuerungen und Updates aber nicht, dass Google ursprünglich mit einer simplen und effektiven Suchmaschine viele Fans gewonnen hat, was maßgeblich zum späteren Erfolg beigetragen hat. In Österreich gehörten 2008 zu den wichtigsten Suchbegriffen „YouTube“, „Wetter“ und „Google“. In Deutschland hat die Spitzenposition jedoch „eBay“ vor „YouTube“ und „Wetter“. In der Kategorie „schnellstwachsende Suchbegriffe“ hat die Österreicher das Thema „Teilchenbeschleuniger“ am meisten bewegt, die Deutschen hingegen, das soziale Netzwerk „Wer kennt wen“. Es ist wenig überraschend, dass „Obama“ in den USA am meisten „gegoogelt“ wurde, auffälliger hingegen dürfte sein, dass „Sarah Palin“ weltweit nicht nur für wachsende Verwunderung in den Medien sorgte, sondern auch gleichzeitig der global schnellst wachsende Suchbegriff 2008 war, so Google Zeitgeist. Hingegen hat man über das früher oft diskutierte Google PageRank wenig gehört. Auch verwundert, dass Google seit 2008 mit Zahlen so offen umgeht wie zum Beispiel, wie oft ein Suchbegriff aufgerufen wird. Googles Search-based Keyword Tool befreit uns endlich von einer Frage: Welche Keywords und Keyphrases habe ich nicht gebucht? Viel Spass bereitet auch die Konkurrenzanalyse mittels Google Insights for Search, einem Tool von Google. Wie auch schon bei Google Trends erhält man Informationen über das Suchverhalten bei Google. Quellen:
TrackBack: Der Google Jahresrückblick 2008
|